Für Margretha, Johanna, Sophia…

Das Recht jeder Frau, über ihren Körper selbst zu bestimmen, ist ein universelles Menschenrecht.

Temporäre Installation am 13. Brückenjoch der Steinernen Brücke.

Foto: Ferdinand Cibulka

Bei meinem Artist in Residence-Aufenthalt in Regensburg unter dem Motto „HERITAGE TODAY / TOMORROW“ inspirierte mich ein Video im UNESCO-Welterbezentrum an der Steinernen Brücke. Dort zeigt eine Animation des berühmten Kupferstichs des Matthäus Merian aus dem 16. Jahrhundert das damalige Leben und – so muss ergänzt werden – das Sterben auf der Steinernen Brücke. 

Hier, am 13. Brückenjoch, fanden bis um 1600 die so genannten Wasserstrafen statt. In der damaligen Rechtsvorstellung lag der Bestrafung einer Täterin durch Ertränken ein Opfer- und Reinigungscharakter zugrunde: das Wasser beseitigte die Schuldige mitsamt ihrer Schuld und befreite die Gemeinschaft vom Zorn der Schicksalsmächte. Zur Todesstrafe durch Ertränken wurden häufig Frauen verurteilt. Ein lediges Kind bedeutete ein Leben in Armut und Schande.

Ich verknüpfe die mittelalterliche Praxis der Todesstrafe mit Rettungsstangen, die heute das Ufer der Donau im Stadtgebiet säumen. Zwei diametral entgegengesetzte Perspektiven auf das Leben verbinden sich zu einer übergroßen Skulptur, schwer lastend zwischen zwei Brückenpfeilern. Die Öffnung am Ende der Stange wird in einen Kleiderbügel transformiert – Symbol für einen gefährlichen Abbruch, wenn Schwangere in die Illegalität getrieben werden.

Für Margretha, Johanna, Sophia… bildet eine Klammer zwischen Mittelalter und Gegenwart und schafft gleichzeitig einen Beitrag zur aktuellen Debatte über das Selbstbestimmungsrecht der Frauen im Zusammenhang mit sicheren Schwangerschaftsabbrüchen:

„Der rettende Ring verwandelt sich in einen bedrohlichen Kleiderbügel, zu dem Schwangere greifen müssen, wenn die Rahmenbedingungen für einen medizinisch und gesetzlich gesicherten Abbruch nicht gegeben sind. Dies ist ein Akt höchster Verzweiflung, ein Ausweg aus einem unlösbaren Dilemma.“ 

Fotos: Ferdinand Cibulka

Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Regensburg und dem Kulturfonds Bayern.

Weitere Informationen unter http://www.donumenta.de

Für Margretha, Johanna, Sophia…

Wir präsentieren unser 25. solange Netz im wunderschönen Ötztal

N°25 am Wastls-Haus, Ötztaler Heimat- und Freilichtmuseum, Lehn bei Längenfeld

SÖLONG a Weiwats dreimol sövl orbatet, obr dreimol mindar vrdiet, bin i Feminischt:in.

SOLANGE eine Frau dreimal so viel arbeitet, aber dreimal weniger verdient, bin ich Feminst:in.

SOLANGE ist ein gesellschaftskritisches feministisches Kunstprojekt, das stets Bezug auf den Ort und die Menschen nimmt, die dort leben. Ein erster Schritt ist das Sammeln von lokalen Themen bzw. aktuellen feministischen Fragestellungen.

 „Wir schreiben das Partizipative an SOLANGE groß und sind immer wieder überrascht, wie viele Satz-Vorschläge aus der Bevölkerung an uns herangetragen werden. Das Interagieren macht SOLANGE lebendig und stärkt den lokalen Bezug.“

Aus dem Pool an erarbeiteten SOLANGE-Sätzen hat sich ein Satz der Ötztalerin Helene Steger-Holzknecht herauskristallisiert, der wunderbar ins Ötztaler Heimat- und Freilichtmuseum passt, weil er sich nicht nur inhaltlich, sondern auch formal ins Umfeld einfügt.

 „Die Ötztaler Mundart ist im Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes Österreichs eingetragen. Es war also naheliegend, diesen SOLANGE-Satz im Dialekt zu formulieren.“

Das „dreimol sövl orbatn“ bezieht sich auf die Trias „Paid Work“, „Mental Load“ und „Care Work“ (Erwerbs-, Koordinations- und Pflegearbeit), die seit der Pandemie verstärkt in den Fokus geraten ist. Nicht nur wird die Lohnarbeit von Frauen in Österreich je nach Statistik, Berufsgruppe und Berechnungsart zwischen 20 und 50% schlechter bezahlt als die von männlichen Kollegen, sondern es kommt noch die schwer messbare unbezahlte und wenig gewertschätzte Arbeit, die Frauen leisten, dazu.

„Gerade der Mental Load begleitet uns Frauen und Mütter wie ein ständiges Hintergrundrauschen: Ich muss noch das Geburtstagsgeschenk für die Freundin der Tochter besorgen, den Zahnspangen-Termin für den Sohn ausmachen, den Elternsprechtag im Auge behalten, die Medikamente für den Schwiegervater aus der Apotheke holen etc. etc. Ich persönlich kenne kaum Männer, die sich diese Art Gedanken überhaupt machen müssen. Das ist nicht Arbeit im klassischen Sinn, beschäftigt uns aber in Gedanken täglich und lässt uns nachts schlecht schlafen. Wir gehen aus unserer bezahlten Arbeit hinaus, und das Gedankenkarussell beginnt sich zu drehen.“

Es ist ein Segen, dass es endlich eine Benennung dieser unsichtbaren Last gibt, die vor allem Frauen tragen und die sie in die Erschöpfung treibe.

Lückenlos schließt daran die „Care Work“ an, das Sich-Kümmern um und Sorgen für Kinder und Jugendliche und/oder ältere oder pflegebedürftige Verwandte. Auch diese Tätigkeiten finden im Verborgenen satt und werden auf keiner Bühne geehrt. „Gefühlsarbeit“, wie sie auch genannt wird, verbraucht enorm viel Energie und fordert vollen emotionalen Einsatz. Nicht zuletzt deshalb wird sie oft im Zusammenhang mit Burn-Out Symptomen genannt. Selbstverständlich gibt es Überschneidungen zwischen all diesen Arbeitsformen, aber auch in den Schnittmengen verdichten sich Diskriminierungsformen. Wer professionell im Bereich „Care Arbeit“ tätig ist, z.B. in Kindergärten, in Pflegeheimen, in Behinderteneinrichtungen … – und das sind sehr viele Frauen – wird auch dort schlechter bezahlt und führt nicht selten diese Arbeit zuhause unbezahlt weiter.

In ländlichen Gebieten werden nicht selten traditionelle Rollenbilder unhinterfragt weitervererbt:

„Im Grunde schupfen oft die Frauen den Laden, halten Betrieb und Familie mit unermüdlichem Einsatz am Laufen. In den Gremien und Vorständen sitzen dann aber die Männer und treffen die Entscheidungen. Kulturerbe schön und gut, aber auch die Ötztaler dürfen sich neuen Rollenbildern öffnen und lernen, dass letztlich alle von einer offenen und faireren Gesellschaft profitieren.“

Es gehe darum, gemeinsam Lösungen für die strukturellen Probleme zu finden, die uns alle betreffen. Die Aufgaben, gerade auch die unbezahlten, fair zu verteilen, führe zu mehr Verständnis und letztlich zu gesellschaftspolitischen Entscheidungen, die von einer breiten Basis getragen werden, sofern auch Frauen in entscheidenden Funktionen vertreten sind.

In diesem Sinn soll der SOLANGE-Satz in der Ötztaler Mundart nicht ins Museum, sondern an der Fassade des Wastls-Hauses alle Passant:innen ansprechen und zu lebendigen und fruchtbringenden Diskussionen anregen: Come join us in spreading equality!

Kooperationspartner:innen:
Edith Hessenberger und das Heimat- und Freilichtmuseum Ötztal

SOLANGE  in großartiger Zusammenarbeit mit: 

Vivian Simbürger (Textilkünstlerin), Tina Themel (Text Redaktion Deutsch), Margarethe Clausen (Text Editing English), Marie Themel (Instagram), Franziska Nössing (Assistenz)

Vielen Dank an Helene Steger-Holzknecht für ihr schönes und berührendes Gedicht!

Sölonge

Sölonge mir moan es ischt olles selbschtvrständlach

Sölonge mir vör lauter Strudlen und Tudlen nit zen Denkn kemen

Sölonge mir dos wos mr denkn nit sogn

Sölonge mir mittöttlen mit ollan und jo nuicht oneggn

Sölonge a Weiwats dreimol sovl orbatet obr dreimol mindar vrdiät

Sölonge in Gemoanen und Kirchen lei Mander vöer dron is Sogn hobn

Sölonge –  wiä longe nö? – wern mr nit stille …. und Feminischt:innen sein

Foto: Ferdinand Cibulka
Wir präsentieren unser 25. solange Netz im wunderschönen Ötztal

Autobiographische Fotoarbeit zum Zeichner Paul Flora

im Rahmen der Ausstellung SPITZE FEDER SCHNABEL TÄNZE in der Villa Schindler in Telfs bis 4. August 2022

Kuratorin: Karin Pernegger

Textauszug Bild 1:

1/2022

Du besuchst deinen Vater. Wie üblich sitzt er an seinem Schreibtisch und ordnet Unterlagen:

Tourenbücher, Reiseberichte, Liebesbriefe, Bestandslisten seiner Sammlungen. Die Abenteuer

der Vergangenheit sind ihm am Nächsten.

Ein neues Bild hängt an der Wand, eine Kopie einer Zeichnung deines Großvaters, in

dunkelbraun gerahmt, von Paul Flora signiert, 1939. Da war Flora 17, dein Großvater bereits 51

Jahre alt.

Du nimmst das Bild von der Wand, ein eingeklemmter Zeitungsartikel fällt zu Boden. Er

berichtet von Paul Floras Tod.

Dein Großvater starb lange vor deiner Geburt. Er hat dich nie sonderlich interessiert. Bekannt

sind dir ein paar Fotos eines alten Mannes mit einem sympathischen Lächeln. Gemütlich schaut

er aus mit seinem dicken Bauch. „Das Direkterle“ hatten ihn seine Kollegen genannt, in Landeck,

wo er Direktor am Gymnasium war. Kurz nach seiner Pensionierung starb er an einem

Schlaganfall.

Autobiographische Fotoarbeit zum Zeichner Paul Flora

SOLANGE Netz #24 im Juni 2022 an der Universität zu Köln gelandet

Foto: Katharina Cibulka

SOLANGE WIR UNS BEULEN AN GLÄSERNEN DECKEN HOLEN, BIN ICH FEMINIST:IN.

AS LONG AS WE BUMP OUR HEADS ON GLASS CEILINGS, I WILL BE A FEMINIST.
 
Dieses neue Netz macht den sogenannten „glass ceiling effect“ zum Thema. Der Begriff der Gläsernen Decke, der ursprünglich aus den USA stammt, bezeichnet eine unsichtbare Barriere, auf welche die meisten Frauen im Laufe ihrer Karriere immer noch stoßen.

An der Universität zu Köln zB. zeigt sich anhand interner Aufzeichnungen ganz deutlich, wo diese unsichtbare Barriere zu verorten ist. Bis zur Promotion sind Frauen und Männer gleichauf, auf der Ebene der Professuren sind dann nur mehr 27% Frauen zu finden, die 73% Männern gegenüberstehen. Ganz offensichtlich gibt es Hürden, die man nehmen müsste, aber nicht sieht; Gläserne Decken, an denen wir uns Beulen holen, weil wir plötzlich dagegen stoßen, unvermutet.
 
Hier stellen Universitäten aber keine Ausnahme dar. Die Karriere einer Frau endet in einer Vielzahl von Unternehmen meist auf der Ebene des mittleren Managements, auch wenn ihre Qualifikationen für Höheres sprechen würden. Häufig werden Jobabsagen bei Frauen damit begründet, dass diese ja familiäre Verpflichtungen hätten und dass dadurch ihre Produktivität und ihr Engagement eingeschränkt werden. Selbstverständlich haben solche Argumente mit tradierten Rollenbildern zu tun, wenngleich sich durch einen Blick in den Alltag von Frauen eine klare Mehrfachbelastung nicht leugnen lässt. Diese wiederum hat mit der ungleichen Verteilung unbezahlter Arbeit – Stichwort care work, mental load – zu tun, wodurch sich der Kreis wieder schließt.
 
Hätten Frauen nicht so viel um die Ohren, dann könnten sie – ähnlich den männlichen Kollegen – abends noch auf ein After-Work-Bier gehen und dort in entspannter Atmosphäre Karriereszenarien besprechen. Wie sollen Frauen netzwerken, wenn sie nach getaner Arbeit sofort zur Kita hetzen müssen?
 
Veränderungen beginnen immer im Kopf. Wir alle reproduzieren, oft unbewusst, tradierte Rollenbilder. Darüber nachzudenken, mit anderen zu reden, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wenn Männer beginnen, ihren fairen Anteil an unbezahlter Arbeit zu übernehmen, ist schon einiges erreicht. Und wenn Frauen beginnen, die Gläsernen Decken zu zerschmettern statt sie zu putzen, sind wir einen großen Schritt weiter.

Ermöglicht wurde dieses Netz mit freundlicher Unterstützung der Gleichstellungsbeauftragten und des Rektorats der Universität zu Köln.

SOLANGE  in großartiger Zusammenarbeit mit: 

Vivian Simbürger (Textilkünstlerin), Tina Themel (Text Redaktion Deutsch), Margarethe Clausen (Text Editing English), Marie Themel (Instagram), Franziska Nössing (Assistenz)

Abendstimmung am Grüngürtel
Foto: Annelen Gäckle
Das Aufbauteam
Foto: Annelene Gäckle

Foto: Annelen Gäckle

SOLANGE Netz #24 im Juni 2022 an der Universität zu Köln gelandet

SOLANGE IN KÖLN AM BÜRGERHAUS STOLLWERCK (NETZ 23)

WDR TV BEITRAG

https://www1.wdr.de/fernsehen/lokalzeit/koeln/videos/video-kuenstlerin-katharina-cibulka-zeigt-ihre-arbeit-am-buergerhaus-stollwerck-100.html

SOLANGE versteht sich als partizipatives feministisches Kunst-Projekt im öffentlichen Raum, bei dem Themen vor Ort aufgegriffen und in einem SOLANGE-Satz verdichtet werden. Beispielhaft – und weil es sich um diese Jahreszeit in Köln anbietet – haben Katharina Cibulka und ihr Team in ihrem aktuellen SOLANGE-Satz zwei traditionsreiche Männerbünde herausgegriffen: die Dreifaltigkeit und das Dreigestirn, stellvertretend für die vielen bestehenden Männerbünde weltweit. 

Katharina Cibulka erläutert:

„Wir haben viele Kölner:innen in den Prozess miteinbezogen und interessanterweise waren Karneval und Kirche die großen Themen.“

Ein weiteres turbulentes Corona-Jahr neigt sich dem Ende zu und feministisch bewegte Menschen fragen sich, wohin es uns geführt hat. Wir ziehen Bilanz, schauen zurück und wünschen uns einen vorsichtig optimistischen Blick nach vorne. Wir stellen fest: Um unseren unermüdlichen Optimismus zu nähren, blicken wir auf die kleinen Veränderungen Richtung Diversität – z.B. sehen wir jetzt auf jeder Plakatwand mindestens eine:n Schwarze:n Frau oder Mann, das ist doch schon mal ein Fortschritt! Die Welt stellt sich bunter dar, wir nehmen jetzt auch sogenannte Plus-Size-Models wahr, also Frauen, die eine ganz normale, durchschnittliche Größe haben – Frauen wie du und ich werden sichtbar; wie auch Menschen anderer Hautfarbe. Das ist äußerst positiv. Kritisch hinterfragt die Künstlerin jedoch folgenden Umstand:

„Wenden wir unseren Blick auf die Zentren der Macht, dann sind wir von Diversität noch ein gutes Stück weit entfernt. Männer berufen sich gern auf Traditionen, wenn sie Ausschließungsmechanismen begründen und rechtfertigen wollen; oder sie zitieren historische Schriften als (vermeintlichen) Beleg für ihr Agieren, die wiederum von Männern geschrieben wurden. Feminist:innen arbeiten beharrlich daran, diese irreführenden Scheinkausalitäten zu entflechten und als eine von vielen möglichen Erzählungen zu positionieren. So entsteht Raum für andere Denk- und Handlungsweisen, Ungleichgewichte werden zurechtgerückt. Nun stehen Kirche und Karneval doch an sehr unterschiedlichen Positionen der Männermacht-Skala; dennoch versinnbildlichen sie diese Verknüpfung von Männerbündelei und Traditionsgehabe.“

Unsere Welt ist in rasantem Wandel. Die Digitalisierung, die Pandemie und die Klimakrise haben vieles auf den Kopf gestellt und umwälzend verändert. Umso beharrlicher wird in manchen Mannerbünden starr an sogenanntem Überliefertem festgehalten, als würde eine Öffnung für andere Geschlechter einen Untergang darstellen. 

„In Österreich waren ja auch die weltberühmten Philharmoniker der Meinung, sie würden ihren einzigartigen Klang verlieren, wenn sie Frauen ins Orchester aufnehmen. Dies ist meines Wissens bislang nicht passiert, wenngleich der Anteil an Frauen nach wie vor beschämend gering ist, nämlich derzeit 19 Frauen zu 129 Männern“, führt die Künstlerin einen treffenden Vergleich an.

 Wir sind Männern gegenüber wesentlich toleranter und freuen uns riesig über jeden Einzelnen, der sich z.B. für den Beruf des Kindergarten-Pädagogen entscheidet. Wir hegen auch keinerlei Vorbehalte gegenüber einfühlsamen und tatkräftigen Männern, die sich gerne die unbezahlte Care-Arbeit mit uns teilen möchten“, fügt sie augenzwinkernd hinzu.

Feminist:in zu sein hieße schließlich auch, Visionär:in zu sein. Warum nicht mal ein divers besetztes Dreigestirn mit Frauengarde und tanzendem Mario, der durch die Luft gewirbelt wird? Warum nicht gerade im Karneval mal neue Rollenbilder ausprobieren anstatt die immer gleichen Männer zu sehen, die Frauenrollen verkörpern und hinter Masken die öden Mann-Frau-Klischees bedienen? Warum nicht mal eine Präsidentin an der Spitze einer großen Kölner Karnevalsgesellschaft oder des Festkomitees? Ein frischer Zugang würde dem Motto der Karnevals-Session 2022 „Alles hät sing Zick“ (Alles hat seine Zeit) in zeitgerechter Interpretation gerecht werden. 

Warum nicht mal eine Kardinälin im Göttinnenhaus? Welche Rollen werden Frauen in der katholischen Kirche zugewiesen? Sie dürfen viel Basisarbeit machen, aber keinerlei Machtposition bekleiden. 

„Vielerorts sehen wir, dass es Männern nicht guttut, zu viel Alleinmacht zu haben – sie brauchen dringend ein Gegenüber, ein Korrektiv auf Augenhöhe – und warum sollten das nicht qualifizierte und engagierte Frauen sein?“, meint Cibulka.

Feminismus dürfe kein Kampf sein, sondern ein stetes gemeinsames Hinarbeiten auf eine faire Verteilung der Macht, einer Macht im besten Sinne, also einer verändernden Kraft, die auf alle schaut. Die Hälfte der Menschheit auf selbstgefällige Weise auszuschließen, sei zutiefst anachronistisch, so die Künstlerin. 

SOLANGE macht auf gesellschaftliche Schieflagen aufmerksam, bringt Debatten in Gang und will so zu Veränderung beitragen. 

„Und wenn unsere Botschaft mit einem Reim geschmeidiger zu transportieren ist, dann soll uns dieser Kunstgriff recht sein. Und wenn wir uns die Freiheit nehmen, Kirche und Karneval in einem Satz zu thematisieren, dann mögen die Kölner:innen dies mit ihrem weltbekannten Humor aufnehmen“, fasst die Künstlerin ihre Intention zusammen.

In diesem Sinn freuen wir uns, wenn das pink bestickte Staubschutznetz seine Wirkung auf dem Bürgerhaus Stollwerck voll entfaltet und viele Menschen zum Nach- und Vorausdenken bringt: Come join us in spreading equality!

in Kooperation mit:

Vivian Simbürger (Textilkünstlerin), Tina Themel (Text Editing Deutsch, Kommunikation), Margarethe Clausen (Text Editing English), Marie Themel (Instagram), Claudia Eichbichler (Baustellen Koordination)

Ermöglicht wurde dies mit freundlicher Unterstützung des Kulturamtes der Stadt Köln und des Bürgerhaus Stollwerck.

Wo?

An der eingerüsteten Fassade des Bürgerhauses Stollwerck in der Dreikönigenstraße 23 in Köln

SOLANGE IN KÖLN AM BÜRGERHAUS STOLLWERCK (NETZ 23)

unser erstes Netz in Deutschland hängt rechtzeitig zum Schulanfang am Goethegymnasium in Freiburg (Nummer 22)

Foto: Marc Doradzillo, Goethegymnasium Freiburg

Wir stehen vor epochalen Herausforderungen: Klimakrise, Pandemie, Terror, Migration und jüngst – die katastrophale Lage der Mädchen und Frauen in Afghanistan. Unsere Kinder wachsen in einem Umfeld der „Dauerkrise“ heran. Wie sollen sie positive Zukunftsbilder entwickeln, wenn sie ausschließlich von Negativnachrichten umgeben sind? Wenn kein Raum mehr für Visionen bleibt, wenn Zukunftsvorstellungen dort enden, wo es eigentlich losgehen sollte: im Hier und Jetzt? 

„Die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen beginnt heute. Wir sind dringend angehalten, positive Szenarien zu entwickeln, in denen sie sich ernst genommen, gesehen und gehört erleben, ihre Wirkung entfalten können. Erfahrung ist wichtig, aber auf die Innovationskraft der Jugend freiwillig zu verzichten, ist schlichtweg arrogant. Eine gleichberechtigte Gesellschaft basiert auf Augenhöhe, ist selbstverständlich divers. Eine Politik der Zukunft inkludiert junge Menschen. Wir alle sehnen uns nach Visionen von einer lebenswerten, fairen und nachhaltigen Welt“, sind wir überzeugt.  

Wir sehen unsere „Kunst im öffentlichen Raum“- Installationen nie losgelöst vom Kontext des Gebäudes. Das Goethegymnasium war von der Gründung 1663 an eine Bildungsstätte für Mädchen, erst 1966 begann die Phase der Koedukation. Dieses historische Gebäude ist also ein Ort, der aufgeladen ist mit intensiver Mädchenenergie. Heute fördert die Schulgemeinschaft die Bildung und Vertiefung sozialer Einstellungen und Werte wie Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Team- und Kooperationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Toleranz – klassisch weibliche Tugenden, würden auch heute noch viele sagen. Es sind genau jene Eigenschaften, welche die Welt von morgen braucht, jene Werte, die das Gegenteil von toxischer Männlichkeit sind. Auf Basis dieser Werte können Visionen wachsen, die unsere Welt wieder zu einer besseren machen. „Wenn wir auf Kooperation statt auf Konfrontation setzen, dann kann Zukunft gelingen. Das gilt sowohl für das Verhältnis aller Geschlechter zueinander als auch für die Bewahrung unserer Umwelt. Das klassisch männliche Prinzip der Konkurrenz hat ausgedient. Die Zukunft ist bunt, weltoffen und tolerant.“ so die Künstlerin. 

Come join us in spreading equality!

(Im Herbst 2021 sind Workshops mit den Schüler:innen des Goethegymnasiums zum Thema Feminismus, Gendersensibilisierung und Aktivismus geplant.)

in Kooperation mit:

Stadt Innsbruck und Stadt Freiburg im Rahmen der Städtepartnerschaft

Vivian Simbürger (Textilkünstlerin), Tina Themel (Text Editing Deutsch, Kommunikation)  Margarethe Clausen (Text Editing English), Marie Themel (Instagram)

Großen Dank an mein großartiges Team und Katrin Heiss (Stadt Innsbruck) und Ann-Kathrin Harr (Stadt Freiburg) und Wolfgang Michalke-Leicht (Schulleiter des Goethe Gymnasiums)

Foto: Marc Doradzillo, Goethegymnasium Freiburg

unser erstes Netz in Deutschland hängt rechtzeitig zum Schulanfang am Goethegymnasium in Freiburg (Nummer 22)

21. SOLANGE NETZ AM RATHAUS IN BREGENZ

Rathaus Bregenz

Seit 2018 beschäftigen wir uns mit der Frage, wie lange man den Feminismus noch brauchen wird. Unsere im traditionellen Kreuzstich von Hand gefertigten SOLANGE-Sätze sollen nach wie vor bestehende Missstände benennen. Dabei ist uns wichtig, dass unsere Slogans frei von Anklage sind: Meine Intention ist das Sichtbarmachen von gesellschaftspolitischen Schieflagen und das Sensibilisieren. Es geht mir nie um Schuldzuweisung, auch nicht um ein Verharren im Täter-Opfer-Denken, sondern um Anregung zur Diskussion. Eine Prise Humor kann dabei ein hilfreiches Werkzeug sein.

Aufgrund der aktuellen Zahlen im kürzlich erschienenen Vorarlberger Gleichstellungsbericht 2021, in dem der Frauenanteil in Führungspositionen gering, in Fragen der Karenz und Pflege jedoch frappant hoch ist, finden wir, dass ein Stellungswechsel mehr als angebracht ist. Für uns sind feministische Forderungen kein Frauenthema. Sie sollen viel mehr gesellschaftspolitisch relevante Probleme aufzeigen, deren Lösung alle interessieren sollten.

Darüber hinaus sind natürlich auch Politik und Wirtschaft gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Ohne flexiblere Arbeitszeitmodelle, ein Schließen der Gehaltsschere und zusätzliche Kinderbetreuungseinrichtungen wird sich die Situation nicht so schnell ändern. Wir sehen unsere „Kunst im öffentlichen Raum“-Installationen nie losgelöst vom Kontext des Gebäudes und der Location. Insofern bildet der Ort, an dem der neue SOLANGE-Satz montiert wird, eine wunderbare Synthese: Ein Rathaus ist ein Ort, wo man sich Rat holen kann, also eine Servicestelle für alle Bürger:innen dieser Stadt; gleichzeitig aber auch ein Haus, in dem beratschlagt wird, wichtige Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Der Umbau soll dem Zweck dienen, dieses Haus weiter zu öffnen, barrierefreier zu machen. SOLANGE wird während der Bauphase mit weichem pinkem Tüll und Gleichstellungsmessage von außen nach innen und vice versa seine Wirkung entfalten.

SOLANGE will möglichst viele interessierte und engagierte Menschen ansprechen. Veränderung ist nur möglich, wenn wir viele dafür gewinnen und endlich den Artikel 1 (Freiheit, Gleichheit, Solidarität) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 umsetzen: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Solidarität begegnen.“

Ganz in diesem Sinne rufen wir zur Partizipation bei SOLANGE auf: 

Come join us in spreading equality!

Großer Dank an mein großartiges Team

Solange Team: Vivian Simbürger (Textilkünstlerin), Tina Themel (Text Editing Deutsch, Kommunikation), Margarethe Clausen (Text Editing English), Marie Themel (Instagram)

Und vielen Dank auch an die Initiatorin Carina Kirisits, neue Frauenbeauftragte der Stadt Bregenz!

Bürgermeister Michael Ritsch, Vizebürgermeisterin Sandra Schoch, Künstlerin Katharina Cibulka, Kulturstadtrat Michael Rauth © Udo Mittelberger
21. SOLANGE NETZ AM RATHAUS IN BREGENZ

Landespreis für zeitgenössische Kunst 2021

Ich freue mich sehr über den Landespreis für zeitgenössische Kunst des Landes Tirols.

Danke dafür!

Die Verleihung finder erst im September statt.

Besonders gefällt mir die Begründung der Jury:

„Katharina Cibulka hinterfragt mit ihren Arbeiten pointiert gesellschaftspolitische Zusammenhänge hinsichtlich ihrer sozialen Gerechtigkeit. Ihre Praxis besticht dabei durch formale Präzision in einem weiten Spektrum an Ausdrucksformen wie Interventionen im öffentlichen Raum, Fotografien, Installationen und Videos sowie Text-und Soundarbeiten. Auch auf den Kunstbetrieb selbst wendet Cibulka die weitreichenden und ungemütlichen Fragen nach Ausschlüssen, Wertungen und Ungerechtigkeiten an. Ihre Kunst erscheint somit als schöner Finger, der sich immer wieder auf Wunden legt, auf dass wir uns deren Ursachen endlich annehmen“.

Landespreis für zeitgenössische Kunst 2021

solange (19 und 20) zweisprachig am Stadtpfarrturm in Klagenfurt!

Was für eine Woche!

Wieder einmal ist ein Wunder geschehen!

SOLANGE ist nach 2 Jahren intensiver Arbeit, vielen auf und ab’s, Zu- und Absagen, texten und umtexten…an der höchsten Baustelle Klagenfurts gelandet, 500 qm groß mit 109 cm großen Buchstaben, am Stadtpfarrturm in Klagenfurt, mitten im Zentrum.

Foto: Christian Brandstätter

Zur Gleichberechtigung aller Geschlechter ist der Weg noch ein weiter. Dies trifft auch auf die Kirche zu. Dass die Bereitschaft der einheimischen Diözese groß war, selbst an der Formulierung eines zum Stadtpfarrturm passenden Satzes mitzuwirken bzw. diesen sogar zu entwickeln, entspricht dem Grundgedanken von SOLANGE.

Unsere SOLANGE-Sätze entstehen immer aus einem intensiven Austausch mit den Menschen vor Ort. In der Interpretation des Dompfarrers Peter Allmaier klingt das folgendermaßen: „„Manche Herren glauben Gott zu sein, weil Glauben ein Unwissen bezeichnet. Diese Herren haben keine Ahnung. Einer Ahnung allerdings bedarf es. Sie wüssten dann um den Zusammenhang von Glauben und Vertrauen. „Ich glaube dir“, sagt man zu einem Menschen. Dabei glaubt man nicht irgendetwas, sondern drückt sein Vertrauen aus. Wer darauf vertraut, dass Gott Gott ist, braucht nicht selbst Gott zu spielen. Man kann der Schöpferkraft Gottes vertrauen, die Verschiedenheit unendlich durchzuspielen und doch zu sagen: Ihr seid alle meine Kinder und ich bin in alle gleich verliebt. Es ist ein Zeichen von Unwissen, aus der Verschiedenheit eine Praxis der Ungleichheit abzuleiten, die Benachteiligung heißt. Solange dies geschieht, stelle ich mich auf jene Seite, die benachteiligt wird und deren gleiche Rechte nicht anerkannt werden. Solange dies geschieht, bin ich Feminist.“

Macht, Ohnmacht, Ermächtigung

Wir sehen in diesem vieldeutigen Satz aber nicht nur die Kirche, sondern auch diejenigen Herren in Politik und Wirtschaft angesprochen, deren Bemühungen um Gleichberechtigung und eine faire Gesellschaft bisher ausbleibt. Seit Beginn der Pandemie erfahren gerade Frauen die dunkelste Seite von Ungleichheit; manifest durch vermehrte Gewalt innerhalb jener eigenen Wände, die eigentlich Schutz bieten sollten. Die hohe Zahl an Femiziden in Österreich zeigt dies auf drastische Weise. Wenn sich Männer das Recht herausnehmen, ihren (Ex-)Partnerinnen das Leben zu nehmen, sie gleichsam als Ware, als Besitz zu betrachten, mit dem man nach Gutdünken verfahren kann, ist dies nur die Spitze des Eisberges von systemimmanenter Gewalt.

Come join us in spreading equality!


„Wir setzen uns mit all unserer Kraft für eine solidarische Gesellschaft und einen Diskurs aller Geschlechter auf Augenhöhe ein. Es ist unser wichtigstes Anliegen, das Einende vor das Trennende zu stellen und möglichst Alle in einen Dialog zu holen.“

Mögen weitere Wunder geschehen und starre Rollenbilder ENDLICH verschwinden.

Amen.

Foto: Christian Brandstätter

Großer Dank an mein großartiges Team

Solange Team: Vivian Simbürger (Textilkünstlerin), Tina Themel (Text Editing Deutsch, Kommunikation), Margarethe Clausen (Text Editing English), Marie Themel (Instagram)

und an Lena Freimüller und Thorsten Krieger von Flux 21, die mich im Rahmen von INS FREIE / NA PROSTO 2021 eingeladen haben und mit einem riesigen Einsatz dabei waren. Es war eine lange Reise!

Danke auch an Alina Zeichen (KD BARBA) und Raffaela Lackner (Architektur Haus Kärnten), Pfarrer Gerhard Simonitti und Dompfarrer Peter Allmaier  

solange (19 und 20) zweisprachig am Stadtpfarrturm in Klagenfurt!