Opening: SECURE THE LINES im Projektraum SCOTTY, Berlin am 10.01.2020 um 19 Uhr

Screenshot 2020-01-19 17.29.15

Stillstand in der Bewegung, Anecken an der Weite des Raumes, scheinbar Widersprüchliches in klaren Bildern vereinen. Diese dann aber über die Dauer der Videos an Komplexität und Hintergründigkeit gewinnen lassen und mittels der Möglichkeiten des künstlerischen Mediums über Dynamiken und Strukturen von Macht, Kontrolle, Ausgrenzung und Freiheit nachdenken. Dieser Ansatz vereint die zehn präsentierten Arbeiten, die als Videoprogramm den Auftakt zum Jahresthema des Projektraums bilden: Territorien.
Entgegen der zurzeit oftmals lauten, gar hysterischen und moralisch aufgeladenen Diskussionskultur, geschieht dies hier auf subtile, leise, mal humorvoll, mal verstörende Weise, und den Künstler*innen gelingt es, Denk-Räume zu schaffen, die uns über die verhandelten Grenzen hinwegnehmen.
Ein Faden auf einem karierten Papier unterteilt den Bildraum als Diagonale in zwei Hälften. Die Enden des Fadens beginnen sich kontinuierlich an der Bildkante entlang zu bewegen, und es entsteht eine organisch anmutende Choreographie, die immer wieder kurz durch den diagonal gespannten Faden unterbrochen wird. Das tänzerisch Spielerische wird also erst durch die Begrenzung selbst, den fest definierten Rahmen des Videobildes, ermöglicht.
Ähnlich wie in Aline Helmckes Videoanimation 16:9 diagonal clockwise-anticlockwise (2017) nutzt die Künstlerin Katharina Cibulka die Begrenzung des Bildausschnittes, um über Grenzen im Kopf, in der Fantasie, nachzudenken. In Anlehnung an die abenteuerliche Geschichte von Lawrence Walters, aka Lawnchair Larry, der 1982 mit seinem aus einem an heliumgefüllten Wetterballons befestigtem Gartenstuhl bestehenden Fluggerät „Inspiration I“ in die Lüfte Kaliforniens stieg, lässt die Künstlerin in der Arbeit Der unkontrollierte Flug der Inspiration einen Stuhl mithilfe von zehn weissen Ballons in die Luft schweben. Der Stuhl – in diesem Fall vielleicht mehr als Platzhalter und Potential zu verstehen – fliegt, aber scheint doch in der Bewegung gefangen. Die Ballons steigen nicht unbegrenzt in die Höhe, sie sind sich selbst im Wege und stoßen einander ab. Die zufallsbedingte Choreografie erscheint mal unbeholfen komisch, mal meditativ poetisch. Ein Versuch über die Freiheit oder ein Scheitern ob der Verhedderung der Umstände?

mehr: http://www.scottyenterprises.de/experimentalfilme-im-schaufenster/

Opening: SECURE THE LINES im Projektraum SCOTTY, Berlin am 10.01.2020 um 19 Uhr

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